Zeitungsberichte

Von Ballon aus: Archäologin fand römisches Militärlager

Sensationsfund in Virunum eröffnet der Geschichtsforschung neues Entdeckungsfeld. Es dürfte der Sitz des Statthalters gewesen sein.

Zu einer römischen Provinzhauptstadt gehört ein Militärlager. Davon gehen Historiker und Archäologen aus. Seit Jahrzehnten suchte man deshalb in Virunum, nördlich von Klagenfurt, nach diesem Lager, von dem aus die Römer die Provinz Noricum kontrollierten.

Jetzt ist die junge Klagenfurter Archäologin Renate Jernej fündig geworden. Und zwar von der Luft aus. Bei einer Ballonfahrt im vergangenen Herbst entdeckte Jernej dieses Militärlager. Manfred Fuchs vom Bundesdenkmalamt in Klagenfurt spricht von "einem Sensationsfund, der der Geschichtsforschung ein großes, neues Entdeckungsfeld eröffnet". Das Lager ist wohl im ersten und zweiten Jahrhundert nach Christus der Sitz des Statthalters (Prokurators) gewesen. Erst später dürfte er in den nahe gelegenen Prokurator-Palast übersiedelt sein.

Jedenfalls muss der Stadtplan von Virunum jetzt neu gezeichnet werden. Das Lager ist 100 mal 120 Meter groß und liegt am östlichen Stadtrand auf einer Terrasse oberhalb des Amphitheaters. Zum Teil ist es von Wald bedeckt, zum Teil mit Mais bepflanzt. Genau hier waren auf den Luftaufnahmen deutlich die Umrisse der unterirdischen Erdwälle zu erkennen. "Ermöglicht wurde das durch günstige Licht- und Bewuchsverhältnisse", erläutert Jernej. "Mit meinem Kollegen Christian Gugl analysierten wir die Schattenlinien und gelangten zur Überzeugung: Wir haben das lang gesuchte Militärlager gefunden."

Die Luftaufnahmen werden jetzt am Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Wien entzerrt und mittels Computer-Simulationen in topographische Karten umgewandelt. In Zusammenarbeit mit dem Bundesdenkmalamt möchte die Archäologin "ihren Fund" vermessen. Immerhin ist sie mit dem Gelände vertraut. Bis Ende 2001 leitete sie die Ausgrabungen beim Amphitheater im Zollfeld.

Rund um das Militärlager sind noch viele Fragen offen, insbesondere die Datierung. "Auf Grund allgemeiner historischer Überlegungen gehen wir davon aus, dass dieses Lager aus dem 1. und 2. Jahrhundert nach Christus stammt. Um sicher zu gehen, müssten Querschnitt-Grabungen durchgeführt werden." Ob es dazu kommt, steht in den Sternen. Trotzdem: Die Überlegungen der Historiker zur Römerzeit in Österreich haben durch diesen Fund reichlich neue Nahrung erhalten.

Bericht aus der Kleinen Zeitung, Wolfgang Zebedin, 24.Juli 2002


 
Ringen um Bodenschätze

Nach Sensationsfund am Zollfeld: Nur fünf bis zehn Prozent von Virunum sind ausgegraben.

Sogar Schaukämpfe mit Otto Wanz konnten sich findige Köpfe vorstellen, als man im Vorjahr begann, das Kolosseum in einem Waldhang vis- a-vis von Tanzenberg freizulegen. Stattgefunden haben indes nur Kämpfe ums Geld, der krisengeschüttelte Verein Archäologieland Kärnten musste die Arbeiten einstellen. Auf ewig begraben sein, das könnte auch dem von der Archäologin Renate Jernej bei einer Ballonfahrt entdeckten Militärlager in der Nähe des Amphitheaters beschieden sein.

Wie berichtet, gehen Historiker und Archäologen davon aus, dass das 100 mal 120 Meter große Lager zur römischen Provinzhauptstadt Virunum gehört, hat die Stadt selbst doch keine Befestigungsmauern. Vorsichtig reagiert Renate Jernej, die bis Ende 2001 die Ausgrabungen beim Amphitheater leitete, auf die Frage nach der Freilegung der Militäranlage. Seit den Turbulenzen um das Autohaus Stippich (drei Skelette blockierten wochenlang den Bau) ist die Stimmung in der Gemeinde Maria Saal gespalten. Nicht wenige halten Archäologie für "nichts Gutes".

Vorerst geht es darum, "nähere Aufschlüsse zu kriegen punkto Datierung und Aufbau der Anlage," meint Jernej. Vorerst geht man davon aus, dass das Lager aus dem ersten oder zweiten Jahrhundert nach Christus stammt und Sitz des Statthalters (Prokurator) war.

Ob die derzeit arbeitslose Archäologin "ihren Fund" weiter erforschen darf, steht in den Sternen. "Wenn, dann geht das nur über ein AMS-Projekt ähnlich dem Archäologieland," sagt Jernej. Ihren vorsichtigen Schätzungen zufolge sind von Virunum erst "so zwischen fünf und zehn Prozent ergraben". Genaue Angaben seien schwierig. "Es gibt Altgrabungen, die vor 100 Jahren passiert sind. Die Methoden haben sich geändert," meint Jernej. Und: "Nicht schlecht, wenn man noch einmal nachgraben würde". Überzeugungsarbeit. Ein logischer Wunsch.

Auch für Manfred Fuchs vom Bundesdenkmalamt bieten sich bei pragmatischer Betrachtung nur zwei Möglichkeiten an: großflächiges Ausgraben oder das Stilllegen der landwirtschaftlichen Ackerflächen. Der Haken: Man kann einem Bauern nicht die Nutzung seines Bodens verbieten, auch wenn die Landwirtschaft nachweislich große Schäden im Ausgrabungsgebiet verursacht. "Ein Denkmalschutz, der über die Flächen verhängt wird, ist nur ein Schutz für den Fall, dass an der Stelle einmal etwas gebaut werden sollte," erläutert Renate Jernej. Da sei noch viel Überzeugungsarbeit notwendig.

Bleiben also als wissenschaftliche Ziele die Datierung des Militärlagers, die Erkundung der vermuteten Bischofskirche, östlich des Prunner Kreuzes, die man aus Luftaufnahmen kennt. Die teilweise freigelegte Arena muss fertig restauriert werden. Auch Grabungen im zentralen Stadtgebiet von Virunum wären wünschenswert.

Bis das in die Wege geleitet ist, denkt man vielleicht an das Naheliegendste und schildert den Virunum-Rundweg aus. Für Normalbürger ist es nämlich fast unmöglich, überhaupt zu wissen wo die Stadt ist.

Bericht aus der Kleinen Zeitung, 25.Juli 2002
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